Der diesjährige Bericht der Lancet-Kommission zur Prävention, Intervention und Pflege von Demenz  beschreibt 12 modifizierbare Risikofaktoren, die zur Prävention von Demenz beitragen könnten. Dieser Bericht enthält einige wichtige Aktualisierungen des vorherigen Dokuments, das im Jahr 2017 veröffentlicht wurde.

Im vorangegangen Bericht von 2017 wurde bereits erwähnt, dass es bestimmte Risikofaktoren für das Auftreten von demenziellen Erkrankungen gibt, und dass das Einwirken auf diese (modifizierbaren) Faktoren dazu beitragen könnte, das Risiko einer Person, an Demenz zu erkranken, zu verringern. Diese Faktoren sind:

  • ein niedrigeres Bildungsniveau
  • Hörverlust
  • Bluthochdruck
  • Fettleibigkeit
  • Rauchen
  • Depression
  • geringe soziale Kontakte
  • körperliche Inaktivität
  • Diabetes

Zu den ursprünglich genannten neun Faktoren hat der neue Bericht die folgenden drei weiteren hinzugefügt:

  • Kopfverletzungen
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • Luftverschmutzung

Kopfverletzungen:

Schädel-Hirn-Traumata werden in der Regel durch Auto-, Motorrad- und Fahrradunfälle, bei (Freizeit-)Sportarten mit intensivem Körperkontakt (z.B. Boxen) bzw. höherem Unfallrisiko (z.B. Reiten) sowie im Zusammenhang mit Schusswaffen oder in militärischen Auseinandersetzungen verursacht, die meisten davon im mittleren Lebensalter. Stürze sind die häufigste Ursache für Hirnverletzungen im späteren Leben.

Übermäßiger Alkoholkonsum:

Starker Alkoholkonsum steht im Zusammenhang mit Gehirnveränderungen, kognitiven Beeinträchtigungen und Demenz, ein seit Jahrhunderten bekanntes Risiko. Der Konsum von mehr als 21 Einheiten Alkohol pro Woche (1 Einheit Alkohol entspricht 10 ml oder 8 g reinem Alkohol) ist mit einem hohen Demenzrisiko verbunden. 

Luftverschmutzung:

Feinstaub und Schadstoffe in der Atemluft  beschleunigen neurodegenerative Prozesse durch zerebrovaskuläre und kardiovaskuläre Erkrankungen, Amyloid-β-Ablagerung und Verarbeitung von Amyloid-Vorläuferproteinen. So sind hohe Stickstoffdioxid (NO2)-Konzentrationen und auch Feinstaub aus Abgasen aus Verbrennungsmotoren und aus der Holzverbrennung in Privathaushalten mit einem erhöhten Auftreten von Demenz verbunden.

Zusammen machen die 12 modifizierbaren Risikofaktoren geschätzt rund 40% der weltweiten Demenzen aus, die theoretisch verhindert oder verzögert werden könnten. 

Es ist deutlich, dass die Risikofaktoren schon früh zur Entwicklung von Demenz beitragen und die Belastung durch sie während des ganzen Lebens anhält. Folglich ist es niemals zu früh oder zu spät, wirksame Maßnahmen einzuleiten, die die negativen Auswirkungen der 12 Risikofaktoren mildern. Sogar Veränderungen bei einem einzelnen Risikofaktor können Demenz-Symptome verzögern oder verhindern, und sollten nach Möglichkeit immer vorgenommen werden.

Was können wir tun?

Präventive Maßnahmen erfordern sowohl politisches als auch individuelles Engagement. Öffentliche Gesundheitsprogramme sind notwenig, um soziale, kognitive und körperliche Aktivitäten zu steigern und die kardiovaskuläre Gesundheit zu verbessern. 

Darüber hinaus sollte das gesamte Lebensmittelsystem (einschließlich Produktion und Marketing) überarbeitet und verändert werden: das Ziel wäre es, den Verzehr von natürlichen und nahrhaften Lebensmitteln anzuregen und den Verzehr von zuckerhaltigen und ultra-verarbeiteten Lebensmitteln zu reduzieren.

Auch sollten öffentliche Gesundheitsprogramme für die Allgemeinbevölkerung (unter besonderer Berücksichtigung von Hochrisikogruppen) angeboten werden, wie beispielsweise:

  • Bluthochdruck- und Diabetes-Behandlung im mittleren Lebensalter
  • Prävention von Kopfverletzungen durch Kampagnen zur Sensibilisierung für den Verkehr und die Verwendung von Sicherheitsausrüstung bei Arbeit und Sport
  • Unterstützung der Raucherentwöhnung
  • Reduzierung der Luftverschmutzung durch die Förderung der Nutzung von Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmittel. 
  • Reduktion der Belastung durch Tabakrauch aus zweiter Hand
  • Förderung der Verwendung von Hörgeräten bei Hörverlust und Verringerung des Risikos eines Hörverlustes durch Schutz vor übermäßiger Lärmbelastung
  • Allen Kindern eine Grund- und Sekundarschulbildung zu ermöglichen
  • Unterstützung der Behandlung und Prävention von Depressionen
  • Begrenzung des Konsums von Alkohol

Auf individueller Ebene sollte ein gesunder Lebensstil angestrebt werden, der eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Betätigung, soziale und intellektuelle Aktivitäten während des ganzen Lebens und den Kontakt mit der Natur einschließt. 

Fazit: An dieser Stelle kann das Projekt ‘Kompetenz statt Demenz’ helfen, indem wir Sie über Bekanntes und Neues zum Thema Demenzprävention und -behandlung auf dem Laufenden halten! Auf unserer Webseite finden Sie immer umfangreichere Informationen zu den oben genannten Themen, die Sie hoffentlich bei der Umsetzung persönlicher Maßnahmen zur Prävention und Genesung unterstützen werden.

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Photo by Deva Darshan on Unsplash

Reference:

Livingston G, Huntley J, Sommerlad A, et al. Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission. Lancet. 2020;396(10248):413-446.

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