Körperliche Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebensstils und trägt zur allgemeinen Fitness, zur Muskelkontrolle und Koordination wie auch zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Weiterhin ist durch körperliche Aktivität eine ausreichende Durchblutung des Gehirns sichergestellt und dadurch wird auch das Wachstum und Überleben der Gehirnzellen stimuliert. 

Die positive Wirkung von körperlicher Bewegung in der Demenzprävention wurde durch viele Beobachtungsstudien unterstützt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass körperliche Betätigung zu einer Vergrößerung des Hirngewebes, einschließlich des Hippocampus, führt und die Blutspiegel des sogenannten Brain Derived Neurotrophic Factor (BDNF) erhöht, wodurch die Bildung neuer Nervenzellen angeregt wird (1).

Weiterhin konnte in Tiermodellen gezeigt werden, dass aerobes Training die pathologischen Merkmale der Alzheimer-Krankheit, also die Bildung der typischen Protein-Ablagerungen im Gehirn (Amyloid-beta und hyperphosphorylierte Tau-Ablagerungen) vermindert und auch, dass es Entzündungsprozessen im Gehirn (Neuroinflammation), oxidativem Stress (Bildung freier Radikale) und einer verminderten Glukoseaufnahme entgegen wirkt (2). Auch konnten Verhaltensauffälligkeiten und die Gedächtnisleistung bei Patienten mit leichten Symptomen von Demenz durch körperliche Aktivität verbessert werden (3).

Während es an der positiven Wirkung von aerobem Training in der Prävention und Behandlung von frühen Stadien der Alzheimer-Krankheit kaum Zweifel gibt, haben seine Auswirkungen in fortgeschritteneren Stadien der Krankheit in verschiedenen klinischen Studien widersprüchliche Ergebnisse gezeigt. Die Frage, ob aerobes Training das Fortschreiten der Krankheit bei Patienten mit mittelschweren bis schweren Symptomen verzögern kann, blieb daher noch zu beantworten.

Um diese unklaren Datenlage zu klären, wurde eine kürzlich randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt, deren Ergebnisse Anfang 2021 im Journal of Alzheimer’s Disease veröffentlicht wurden (4). In dieser Studie wurden 96 ältere Erwachsene (66 Jahre oder älter) mit moderaten Demenzsymptomen in zwei Gruppen eingeteilt: Die Interventionsgruppe bekam als aerobes Training dreimal wöchentlich 20-50 Minuten Radfahren für 6 Monate verordnet, während die Kontrollgruppe Dehnungs- und Bewegungsübungen mit der gleichen Häufigkeit und Dauer durchführen sollte. Die Teilnehmer beider Gruppen mussten sich vor Beginn der Studie und nach 3, 6, 9 und 12 Monaten dem sogenannten Alzheimer’s Disease Assessment Scale-Cognitive Subscale (ADAS-Cog) unterziehen. Dies ist ein neuropsychologischer Beurteilungstest, der häufig in klinischen Studien verwendet wird, um den Schweregrad der kognitiven Symptome einer Demenz abzuschätzen. Es findet insbesondere auch Anwendung in klinischen Studien mit Demenz-Medikamenten.

Nach 6 Monaten hatten die radfahrenden Teilnehmer einen geringeren Anstieg des ADAS-Cog als erwartet, was bedeutet, dass das Fortschreiten der Krankheit in der Interventionsgruppe langsamer war als es normalerweise bei Alzheimer-Patienten beobachtet wird.  Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede im kognitiven Abbau nach 6 und 12 Monaten zwischen beiden Gruppen. Das könnte bedeuten, dass aerobes Training in der Tat nicht wesentlich effektiver ist als Stretching oder leichte Übungen. 

Interessanterweise wurden die Ergebnisse möglicherweise durch die Tatsache verzerrt, dass sich in der der Stretching-Gruppe, also der Kontrollgruppe, unbeabsichtigt das Maß an sozialer Interaktion erhöht hatte: Diese Patienten verbrachten viel Zeit miteinander, im Gegensatz zur Radfahrgruppe, bei der die körperliche Beanspruchung den Rahmen der sozialen Interaktionsmöglichkeiten deutlich stärker eingeschränkt hat.  Da Bewegung und soziale Interaktion die Kognition nachweislich in ähnlicher Weise positiv beeinflussen, könnte dies der Grund sein, warum es keinen signifikanten Unterschied im kognitiven Abbau zwischen den beiden Gruppen gab.

Diese Studie unterstützt somit frühere Ergebnisse und bestätigt die Hypothese, dass aerobes Training das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen kann, indem es den kognitiven Abbau bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit reduziert. Sie unterstützt aber auch die zunehmend anerkannte Empfehlung eines multifaktoriellen Ansatzes im Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit, die neben körperlicher Aktivität jeder Art auch soziale Interaktionen, gesunde Ernährung, und viele weitere Faktoren miteinschließt. Informieren Sie sich hier gerne über die vielfältigen Lebensstil-Optionen zur Prävention und/oder Behandlung von Demenz. Denn eines ist klar: Ein gesunder Lebensstil scheint sich in jedem Stadium der Erkrankung positiv auszuwirken!

Und falls Sie gerne noch mehr zu diesem spannnenden Thema ‘Bewegung und Demenz’ erfahren möchten, schauen Sie bitte hier bei ‘Kompetenz statt Demenz’. 

Fazit:

Aerobes Training reduziert den kognitiven Abbau bei Patienten mit moderaten Symptomen der Alzheimer-Krankheit. Allerdings scheint sein Einfluss auf das Fortschreiten der Krankheit nicht größer zu sein als andere Lebensstil-Interventionen wie verschiedene Formen der körperlichen Aktivität zusammen mit sozialen Interaktionen. Ein multifaktorieller Ansatz ist daher die optimale Behandlung für Demenz.

Referenzen:

1.    Erickson KI, Voss MW, Prakash RS, et al. Exercise training increases size of hippocampus and improves memory. Proc Natl Acad Sci U S A. 2011 Feb 15;108(7):3017-22. 

2.    McGurran H, Glenn JM, Madero EN, Bott NT. Prevention and Treatment of Alzheimer’s Disease: Biological Mechanisms of Exercise. J Alzheimers Dis. 2019;69(2):311-338.

3.    Baker LD, Frank LL, Foster-Schubert K, et al. Effects of aerobic exercise on mild cognitive impairment: a controlled trial. Arch Neurol. 2010 Jan;67(1):71-9

4.    Yu F, Vock DM, Zhang L, et al. Cognitive Effects of Aerobic Exercise in Alzheimer’s Disease: A Pilot Randomized Controlled Trial. J Alzheimers Dis. 2021 Jan 26. 

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Das menschliche Gehirn ist ein äußerst empfindliches Organ. Deshalb muss es insbesondere vor Giftstoffen und Krankheitserregern geschützt werden. Ebenso müssen die Zufuhr von Botenstoffen und der Abtransport von Stoffwechselprodukten genau reguliert sein. Die Blut-Hirn-Schranke (BHS) besitzt genau diese Funktion: sie trennt das zentrale Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark, vom restlichen Blutkreislauf des Körpers. Die BHS fungiert demnach als Schutzschild, der das Gehirn vor infektiösen Erregern und toxischen Substanzen schützt. Darüber hinaus muss sie auch als Filter fungieren, damit die richtigen Stoffe, wie z.B. alle Nährstoffe, ins Innere des zentralen Nervensystems gelangen können. 

Neuere Studien haben gezeigt, dass diese Barriere eine wichtige Rolle bei der Alzheimer-Krankheit spielt. Tatsächlich scheint sie am Krankheitsverlauf beteiligt zu sein noch bevor die ersten pathologischen Veränderungen festgestellt werden. Weitere Informationen über den mechanistischen Zusammenhang von ApoE4 und dem Zusammenbruch der BHS finden Sie in dem Artikel „Alzheimer-Gen löst frühen Zusammenbruch der Blut-Hirn-Schranke aus und sagt kognitiven Verfall voraus„, den wir in einem vergangenen Newsfeed veröffentlicht haben. 

Neben der Genetik können bei der Alzheimer-Krankheit aber auch andere Faktoren zum Zusammenbruch der BHS beitragen, was zu einer Kaskade von Entzündungen und letztendlich zur Neurodegeneration führen kann. Von allen Faktoren, die zu einer Zerstörung der BHS führen können, ist die Veränderung der Darmdurchlässigkeit und somit die Störung der Darmbarriere in den Fokus gerückt: diese ist ein modifizierbarer Faktor, der von Lebensstil-Maßnahmen abhängt. Die Ernährung hat dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammensetzung unserer Darmflora, der sogenannten Darmmikrobiota, und spielt eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung der Darmintegrität und der Darm-Hirn-Achse. Schauen Sie zum Thema ‚Darm-Hirn-Achse’ doch auch gerne mal in unser Faktenblatt hinein, das ‚Kompetenz statt Demenz’ Ihnen kostenlos zur Verfügung stellt, damit Sie auch hier voll im Bilde sind!

Wie wichtig die Zusammensetzung der Mikrobiota ist, wird im Folgenden deutlich: So können spezifische Substanzen, die von Darmbakterien produziert werden, die Permeabilität der BHS-Barriere beeinflussen. Sogenannte Lipopolysaccharide z.B. sind Endotoxine und pro-entzündliche Substanzen, die von (unerwünschten) gramnegativen Bakterien produziert werden und die BHS potentiell stören können. Dagegen können kurzkettige Fettsäuren, die von Darmbakterien produziert werden, die BHS vor Schäden schützen. 

Um Ihnen mehr Informationen über diese wichtige Struktur unseres Nervensystems zu geben, haben wir den Abschnitt „Gehirn & Körper“ auf der Homepage von ‚Kompetenz statt Demenz’ aktualisiert. Es wurde u.a. eine Übersicht hinzugefügt, welche Rolle der Abbau der BHS bei der Akkumulation der Alzheimer-spezifischen Plaques in Form von Amyloid-beta, und somit bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit spielt. Das vollständige Update finden Sie im Abschnitt Gehirn & Körper – Blut-Hirn-Schranke.

Blut-Hirn-Schranke

Abbildung 1: Pathologischer Zyklus der Zerstörung der Blut-Hirn-Schranke (BHS) und der Amyloid-beta-Akkumulation bei der Alzheimer-Krankheit

Jetzt wissen Sie, welche Faktoren zu einer Störung der BHS beitragen können und wie eng der Zusammenhang zwischen Darmdurchlässigkeit und BHS-Zusammenbruch ist, und vor allem, wie wichtig ein gesunder Lebensstil für Ihre geistige Gesundheit ist!

Viel Spaß beim Lesen!

 Link zum Abschnitt Gehirn & Körper hier.

 

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Kann sich der Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung in einem frühen Stadium mit einem speziellen Nährstoffgemisch verzögern lassen? Dieser Frage ging die europäische Studie mit dem Namen ‚LipiDiDiet’ unter der Leitung von Prof. Tobias Hartmann nach.

Die Wissenschaftler rekrutierten Alzheimer-Patienten, die sich im Anfangsstadium der Krankheit befanden, um die Wirksamkeit einer definierten Trinknahrung mit dem Namen ‚Souvenaid’ zu testen. Souvenaid wurde als diätetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit im Frühstadium entwickelt und wird von Nutricia (Danone-Konzern) vermarktet. Es enthält eine definierte Nährstoffkombination aus langkettigen Omega-3-Fettsäuren, Phospholipiden, Cholin, B-Vitaminen (B6, B12 und Folsäure), Vitamin C und E, Selen und Uridinmonophosphat.

In dieser randomisierten Doppel-Blindstudie wurden die 311 Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Die Behandlungsgruppe erhielt täglich zum Frühstück
125 ml Souvenaid mit dem Nährstoffmix, der Kontrollgruppe verordnete man täglich die gleiche Menge eines Placebo-Mittels, das aber im Geschmack, in der Konsistenz und Farbe sowie den Kaloriengehalt betreffend identisch war. Weder Patienten, Ärzte noch Wissenschaftler wussten, wem das Placebo oder das Multinährstoffgetränk verabreicht wurde.

Der primäre Untersuchungsendpunkt der Studie war die Verlangsamung der kognitiven Verschlechterung, was mit einer neuropsychologischen Testbatterie gemessen wurde. Diese ist eine Kombination aus standardisierten kognitiven Testverfahren und erfasst neben der Veränderung der kognitiven Leistung auch die veränderte Fähigkeit zur Ausübung bestimmter exekutiven Funktionen, wie Planung, Strategie und Arbeitsgedächtnis.
Weiterhin wurden auch klinische Aspekte mit Hilfe von bildgebenden Verfahren untersucht. Somit konnten organische Veränderungen im Gehirn direkt erfasst und beurteilt werden.

Erste Zwischenergebnisse nach 24 Monaten deuteten zwar auf eine gewisse Wirksamkeit der Trinknahrung hin, die Unterschiede in der kognitiven Verschlechterung zwischen den beiden Patientengruppen waren allerdings nicht signifikant.

Im September 2020 wurden die Ergebnisse nach 36-monatiger Behandlungszeit veröffentlicht. Diese offenbarten signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen: Bei den Patienten der Testgruppe wurde eine um 22 Prozent geringere Gehirnatrophie gemessen, d.h. dass die Hirnmasse der behandelten Alzheimer-Patienten deutlich weniger geschrumpft waren als die der Vergleichsgruppe. Somit konnte der degenerative Veränderungsprozess im Gehirn durch das Nährstoffpräparat signifikant verlangsamt werden. Vor allem auch in der Gedächtnisregion des Gehirns, im sog. Hippocampus, war die Verschlechterung bei den Behandelten um 33 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe. Dies korrelierte auch mit der kognitiven Hirnleistung: diese ließ bei den behandelten Probanden um 60 Prozent, also deutlich weniger, nach als bei nicht behandelnden Patienten.

Die Ergebnisse der Studie machten somit gleichzeitig deutlich, dass es sich bei einer derartigen Nährstoff-Supplementierung nicht um ein kurzfristig wirksames Konzept handelt. Die Effekte scheinen sich erst durch die längerfristige Behandlung zu stabilisieren, das zeigte der Vergleich nach 3 Jahren mit den Zwischenergebnissen nach 2 Jahren mehr als deutlich. Die Forscher stellten weiterhin fest, dass die positiven Wirkungen der Trinknahrung im Laufe der Behandlungszeit zunahmen und sich nicht nur auf die Gedächtnisregion konzentrierten, sondern sich auch auf andere kognitive Bereiche ausweiteten. Die Probanden konnten zum Beispiel alltägliche Herausforderungen, wie beispielsweise Rechnungen bezahlen, sich Wege merken etc., besser bewältigen als die Kontrollgruppe.

Dies bedeutet, dass eine langfristige Einnahme dieser spezifischen Multinährstoffkombination die Gehirnstrukturen teilweise schützt und den kognitiven und funktionellen Verfall bei Alzheimer im Frühstadium reduziert. Diese Nährstoffe scheinen also eine zentrale Rolle bei der Reduzierung des neurodegenerativen Prozesses bei AD zu spielen, was auf einen besonderen Ernährungsbedarf bei Alzheimer hindeutet.

Da aber davon auszugehen ist, dass die Krankheit bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnt, dies jedoch mit derzeitigen Methoden noch nicht messbar ist, wäre auch der Zeitpunkt des Therapiestarts enscheidend: je früher in diesen Prozess eingegriffen werden könne, desto besser. So wäre nicht nur die langfristige Dauer der Behandlung wichtig, sondern auch der frühe Beginn der Behandlung im Krankheitsverlauf.

Trotz intensiver Forschung gibt es leider immer noch keine Medikamente, mit der eine Alzheimer-Erkrankung geheilt werden könnte. Die verwendeten Medikamente verbessern vorübergehend die Symptome, lassen die Patienten dann aber schon nach einiger Zeit wieder in die Ausgangslage zurückfallen. Von einem nachhaltigen 3-Jahres-Nutzen einer Behandlung, wie sie in dieser Studie mit einem definierten Nährstoffgemisch erzielt wurde, wurde bei beginnender AD bislang noch nicht berichtet. Vor diesem Hintergrund wäre das langsamere Fortschreiten der Krankheit schon ein großer Erfolg und ist sicherlich ein guter Anfang.

Diese Erkenntnisse betonen wieder einmal, dass es sich bei der Alzheimer-Krankheit um eine generalisierte Stoffwechselstörung handelt, bei der monokausale Therapien allein nicht zum Erfolg führen können, sondern multifaktorielle Strategien herangezogen werden müssen. Und dass multimodale Präventionsansätze auch einer klinischen Prüfung standhalten, konnte bereits die internationale FINGER-Studie (Finnish Geriatric Intervention Study to Prevent Cognitive Impairment and Disability) eindrucksvoll belegen. Mit der ‚Souvenaid’-Studie ist sicher ein guter Anfang gemacht, da über eine nachhaltige positive Wirkung hinsichtlich Kognition, Funktion und Hirnatrophie in einer Intervention bei beginnender Alzheimer-Erkrankung bisher nicht berichtet wurde. Zukünftige Studien könnten weiter klären, ob die Wirksamkeit einer Nährstoff-Supplementierung zu einem früheren Zeitpunkt, über einen längeren Zeitraum als 3 Jahre, als Teil einer multimodalen Intervention (z.B. FINGER-Studie) oder in Kombination mit pharmazeutischen Therapien, noch weiter gesteigert werden kann.

Fazit:

Die Ergebnisse der genannten Studien unterstreichen eindrucksvoll, dass der von Kompetenz statt Demenz vorgeschlagene multifaktorielle Maßnahmenkatalog – und besonders eine bewusste, das Gehirn schützende Ernährung der Königsweg bei der Demenzprävention ist. Er bietet uns eine Vielzahl von Präventionsstrategien, mit der wir über eine konsequente Minimierung von vermeidbaren Risikofaktoren und über die Einhaltung eines gesunden Lebensstils, die neben Ernährung auch andere Faktoren wie Bewegung, Schlafqualität, soziale Kontakte etc, beinhaltet, unser individuelles Alzheimerrisiko reduzieren können. Beim Projekt ‚Kompetenz statt Demenz’ finden Sie hierzu viele weitere spannende und hilfreiche Informationen, damit Sie Ihre geistige Gesundheit möglichst ein Leben lang erhalten können!

Referenzen:

  1. Soininen H et al. (2017) 36-month LipiDiDiet multinutrient clinical trial in prodromal Alzheimer’s disease . Alzheimer’s and Dementia: 1-12 
  2. Soininen H et al. (2020) 24-month intervention with a specific mulitnutrient in people with predromal Alzheimer´s disease (LipiDiDiet): a randomised, double-blind, controlled trial. Lancet Neurol 16: 965–975 
  3. Ngandu T et al. (2015) A 2 year multidomain intervention of diet, exercise, cognitive training, and vascular risk monitoring versus control to prevent cognitive decline in at-risk elderly people (FINGER): a randomised controlled trial. Lancet 365: 2255–2263 

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Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit (AD) stellt seit vielen Jahren eine Herausforderung für Neurologen dar. Es ist schwierig festzustellen, ob jemand an Alzheimer erkranken wird oder ob das aktuelle kognitive Defizit auf Alzheimer oder eine andere Ursachen der Demenz zurückzuführen ist. Ebenso schwierig ist es, das Tempo oder den Verlauf des Fortschreitens der Krankheit vorherzusagen.

Es ist bereits bekannt, dass sich pathologische Hirnveränderungen, sog. Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen, bei Alzheimer lange Zeit vor dem Auftreten klinischer Symptome bilden. Wir wissen auch, dass Veränderungen und Anpassungen des Lebensstils die einzige wirksame Behandlung gegen den kognitiven Verfall sind, besonders dann, wenn sie in frühen Krankheitsstadien eingeleitet werden. Aus diesem Grund wäre ein Test, der vorhersagen könnte, wann der Prozess beginnt und in welchem Rhythmus er fortschreitet, ein nützliches diagnostisches Instrument in der klinischen Praxis.

Heutzutage stehen verschiedene Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung (siehe Abschnitt Diagnose für weitere Informationen), aber sie sind teuer und schwierig im Praxisalltag umzusetzen. Auch erfordern sie in der Regel bildgebende Techniken, die teuer und zeitaufwendig sind und teilweise mit radioaktiven Tracer-Substanzen arbeiten, oder sie bedingen invasive medizinische Verfahren wie die Lumbalpunktion, die nicht frei von unerwünschten Wirkungen und Risiken ist.

Daher bergen zwei neue AD-Tests, die im letzten Jahr entwickelt wurden, die Hoffnung, eine schnelle und einfache, aber auch präzise Diagnosemöglichkeit zur Verfügung zu haben.

Eine im August 2019 veröffentlichte Studie stellt einen Bluttest vor, der einen Biomarker für frühe Amyloid-Plaque-Bildung heranzieht, die Plasma-Konzentration von A42/A40. Diese steht in hoher Übereinstimmung mit dem Amyloid-Status im PET-Scan, einer der oben erwähnten bildgebenden Techniken. Es konnte gezeigt werden, dass die Plasmakonzentration von A42/A40, insbesondere in Kombination mit dem Alter und dem APOE4-Status der Patienten (siehe Abschnitt Genetik für weitere Informationen), eine genaue Diagnose der Hirnamyloidose ermöglicht. Dabei konnte diese pathologische Veränderung bei Personen mit normaler kognitiver Funktion, d.h. bereits vor dem Auftreten von demenziellen Symptomen, erfolgreich untersucht werden. Es zeigte sich auch, dass Personen mit einem negativen Amyloid-PET-Scan und positivem Plasma A42/A40 ein erhöhtes Risiko für die Umwandlung in einen positiven Amyloid-PET-Scan haben. Daher würde sich dieser Test zum Screening von Personen eignen, die möglicherweise eine Amyloidablagerung im Gehirn aufweisen, die noch nicht im bildgebenden Verfahren sichtbar ist, und daher ein erhöhtes Risiko für AD haben. 

In einer weiteren Studie, die im Mai 2020 in Lancet Neurology veröffentlicht wurde, entwickelten und validierten die Autoren einen hochempfindlichen Blut-Immunoassay für die frühe Detektion von Tau-Fibrillen. Die biochemische Grundlage für diesen Test ist die Entstehung des sogenannten p-tau181, welches durch die Übertragung eines Phosphatrestes auf die Aminosäure Threonin im Tau-Protein gebildet wird. Die p-tau181-Konzentration wurde bereits in der Rückenmarksflüssigkeit, dem sog. Liquor, gemessen und ist ein hochspezifischer Biomarker für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit. Mit dieser Studie zeigten die Autoren, dass auch der p-tau181-Spiegel im Blut pathologische Veränderungen von Tau- und Amyloid-Protein vorhersagen und die Alzheimer-Krankheit mit hoher Genauigkeit von anderen neurodegenerativen Erkrankungen unterscheiden kann. Darüber hinaus sagt sie den kognitiven Rückgang und die Atrophie des Hippocampus über einen Zeitraum von einem Jahr voraus und eignet sich daher als Marker für den Krankheitsverlauf.

Beide Tests haben den Vorteil, dass sie in einer Blutprobe durchgeführt werden können, und wären in der Lage, das Risiko der Entwicklung einer kognitiven Abnahme und ihres Fortschreitens frühzeitig vorherzusagen. Sie stellen somit einfache, praktische, skalierbare und vor allem kostengünstige Testmöglichkeit für die Diagnose der AD dar. Sie sind noch nicht auf dem Markt erhältlich, haben aber großes Potenzial, in die klinische Praxis als Schnell-Screeningtest zur Diagnose oder Ausschluss von AD, oder aber zur Therapieführung bei Demenzpatienten aufgenommen zu werden.

In Anbetracht der Relevanz von Lebensstil-Maßnahmen für die Behandlung und Prävention von AD bieten diese Tests Sicherheit und Gewissheit darüber, wann und in welchem Ausmaß Maßnahmen zur Behandlung kognitiver Beeinträchtigungen stattfinden sollen. Sie stellen somit auch ein großartiges Instrument dar, Personen einfach und vor allem frühzeitig zu screenen, klinische Alzheimer-Studien zu unterstützen, Lebensstil-Interventionen zu fördern und unser Wissen über diese herausfordernde Krankheit zu verbessern.

Fazit:

Zwei neue Tests für die Alzheimer-Krankheit, die hochspezifische Biomarker-Substanzen im Blut bestimmen, sind entwickelt worden. Diese vergleichsweise schnellen, präzisen und kostengünstigen Bluttests hätten wichtige klinische Anwendungen: als Screening-Instrument in der Primärversorgung und zur Diagnose-Sicherung, wie auch zur Überwachung des Krankheitsverlaufs. Weiterhin wären sie ein Mittel, mit dem man verifizieren kann, dass Teilnehmer an klinischen Studien tatsächlich an Alzheimer erkrankt sind und dass die Behandlungen, die sie testen, wirksam sind. Sie könnten zu einem wichtigen Instrument werden, um eine genaue und frühe Diagnose zu gewährleisten und Ärzte und Patienten zu motivieren, frühzeitig Lebensstiländerungen vorzunehmen, um eine Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten und das Fortschreiten der Krankheiten zu verhindern. KsD wird seine Leser über die Verfügbarkeit dieser oder anderer Tests aktuell informieren (melden Sie sich gerne noch heute für unseren Newsfeed an).

Referenzen:

  1. Karikari TK, Pascoal TA, Ashton NJ, et al. Blood phosphorylated tau 181 as a biomarker for Alzheimer’s disease: a diagnostic performance and prediction modelling study using data from four prospective cohorts. Lancet Neurol. 2020;19(5):422-433. doi:10.1016/S1474-4422(20)30071-5. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32333900/
  2. Schindler SE, Bollinger JG, Ovod V, et al. High-precision plasma β-amyloid 42/40 predicts current and future brain amyloidosis. Neurology. 2019;93(17):e1647-e1659. doi:10.1212/WNL.0000000000008081 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31371569/

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Man geht zum Arzt – meist zum Neurologen – fragt nach natürlichen oder lebensstil-orientierten Behandlungsmethoden bei demenziellen Erkrankungen – und schaut oftmals in leere Augen, schlimmstenfalls in eine aggressiv gerunzelte Stirn “Kommen Sie mir bloß nicht mit so etwas, alles gefährlicher Humbug, es gibt nur einige pharmakologische Ansätze, die etwas helfen können!”. 

Sie werden in Ihrer Reise bei der selbstverantwortlichen Prävention und Behandlung von kognitiven Einschränkungen und Demenz des öfteren, wahrscheinlich sogar häufig, auf diese unbeschreibliche Borniertheit und Ignoranz bei vielen Ärzten treffen, die Lebensstil-bedingte Ursachen und Risikofaktoren verleugnen, und einen Behandlungsansatz durch Änderungen des Lebensstils, insbesondere bei der Versorgung mit lebenswichtigen Ressourcen sowie bei der Reduktion von Schadstoffen, als eine Geschichte aus dem „Reich der Fantasie“ verunglimpfen. Hoffentlich haben Sie es persönlich noch nicht erlebt. 

Wie geht man damit um? Man versucht sich breiter zu informieren, zum Beispiel über die Webseiten von Kompetenz statt Demenz, aber kann natürlich immer noch sagen, man kann ja viel behaupten, wo sind denn die Beweise?

Mikroskop

Aus diesem Grund haben wir auf der Seite “Alzheimer Forschung” eine Auswahl von aktuellen Studien und Reviews kategorisiert und zusammen mit den von den Autoren getroffenen Schlußfolgerungen chronologisch aufgelistet. Die dort aufgeführten Studien zeigen eindeutig, dass man über gezielte Interventionen, sei es mit Mikronährstoffen, Sport und Bewegung, Schlafhygiene oder mentalen Maßnahmen sehr wohl verloren gedachte kognitive Fähigkeiten wiedererlangen kann. Sie liefern Ihnen damit eine wichtige Argumentationshilfe bei Ihrem schwierigen Weg durch die schulmedizinische Engstirnigkeit und Ratlosigkeit. Die Studien sind dabei nach Kategorien sortiert und jüngste Studien werden zuerst aufgeführt. 

Interventionsstudien – gerne auch doppelblind-placebokontrolliert – sind dabei die Interessantesten, da sie die Effekte einer Behandlung direkt bewerten. Allerdings muss es nicht immer eine doppelblind-placebokontrollierte Studie sein, denn auch ohne Verblindung werden Effekte sichtbar und manche Interventionen können die Autoren ohnehin nicht verblinden (z.B. im Bewegungsbereich oder bei mentalen Interventionen). Metaanalysen sind insofern interessant, als dass sie mehrere oder sogar viele Einzelanalysen “poolen”. Allerdings ist das “Poolen” mehrerer Studien schwierig und kann statistische Fehler aufweisen und auch die Auswahl der Studien kann einen sogenannten “Bias” (systematischen Fehler) aufweisen. Ein positives Resultat einer Metastudie gibt aber zumindest zusätzliche Sicherheit. 

Reviews sind ebenfalls sehr hilfreich, da sie ein Themengebiet aus einer übergreifenden Sicht betrachten und zusammenfassend darstellen.

Wenn Sie also an einem kurzen Überblick über den Hintergrund verschiedener Behandlungsansätze und der Wissenschaft dahinter interessiert sind, gehen Sie einfach auf diese Seite: Alzheimer Forschung

Sie finden dort auch die direkten Links zu den Studien auf Pubmed, und manche sind auch in der Vollversion frei verfügbar. Wenn Sie das Ganze zum Mitnehmen ausdrucken wollen, genügt ein Klick auf die rechte Maustaste und “Drucken” und Sie erhalten die Seite in einem recht übersichtlichen Druckformat.

Ein abschließender Hinweis: Wissenschaft macht nie absolute Aussagen “ex cathedra” sondern gibt den Stand der aktuellen Forschung wieder. Studien können fehlerhaft oder gefärbt sein und werden womöglich durch neue Erkenntnisse inhaltlich überholt. Von daher ist es wichtig, auf dem Laufenden zu bleiben und wir bei “Kompetenz statt Demenz” verfolgen die relevanten Themengebiete kontinuierlich weiter. Von daher finden Sie die aktuellsten Studien immer an erster Stelle und einige können auch im Lauf der Zeit wieder aus der Liste verschwinden, aber genau das ist das Zeichen der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Fazit: Lassen Sie sich nicht auf dem Weg der eigenverantwortlichen Behandlung und Prävention der Demenz beirren und machen sich selbst soweit wie möglich ein Bild! Nutzen Sie belastbare Informationen, um Ihre Entscheidung bei jeder Art der Behandlung zu untermauern und sich nicht verunsichern zu lassen. Wir von Kompetenz statt Demenz hoffen dabei unseren Beitrag zu leisten!

PS: Und wenn Ihnen einmal eine wichtige Studie auffällt, senden Sie uns gerne einen Link zu!

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Eine Studie, die 2018 im American Journal of Medicine veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass eine dauerhafte gesunde Ernährungsweise im mittleren Alter auch noch Jahre später mit einem größeren Volumen des Hippocampus in Verbindung steht , und somit und vor kognitivem Rückgang schützen kann. Der Hippocampus ist eine Struktur im Gehirn, die sich im Temporallappen jeder Hirnhälfte befindet und direkt am Prozess der Gedächtnisbildung beteiligt ist. Das Volumen des Hippocampus kann mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns bestimmt werden. Die Abnahme seines Volumens, was auch als Hippocampus-Atrophie bezeichnet wird, hängt mit kognitiven Beeinträchtigungen zusammen und findet in der klinischen Praxis Einsatz zur Diagnose der Alzheimer-Krankheit.

MRT Gehirn Ernährung

In dieser Studie wurde die Qualität der Ernährung von 459 Teilnehmern, die im Durchschnitt 49 Jahre alt waren, mit Hilfe eines Fragebogens erfasst, den die Probanden jeweils 2 Jahre lang zu Beginn der Studie und 11 Jahre später ausfüllen mussten. Am Ende der Nachuntersuchung, die etwa 13 Jahre nach dem ersten Fragebogen stattfand, unterzog man die Teilnehmer einer Gehirn-MRT zur Untersuchung des Hippocampus. Das Ergebnis war, dass eine langfristig angelegte gesunde Ernährung, die einem höheren Gesamtwert im Alternative Healthy Eating Index entsprach, mit einem größeren Gesamtvolumen des Hippocampus verbunden war. Dieser Zusammenhang war unabhängig von soziodemographischen Faktoren, Rauchgewohnheiten, körperlicher Aktivität, Herzstoffwechsel-Faktoren, kognitiven Beeinträchtigungen und depressiven Symptomen . Außerdem war der Effekt im linken Hippocampus ausgeprägter als im rechten.

Eine gesunde Ernährung, die auf den Empfehlungen des Alternative Healthy Eating Index 2010 basiert, ist reich an Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, Nüssen, Hülsenfrüchten, Omega-3-Fettsäuren und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und verzichtet weitgehend auf zuckerhaltige Nahrungsmittel, rotes und verarbeitetes Fleisch, Transfettsäuren und natriumreiche Produkte. Sie zeichnet sich auch durch einen geringen Alkoholkonsum aus.

Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die Hypothese, dass die Gesamternährung die Gehirnstrukturen mit einem spezifischen Einfluss auf das Volumen des Hippocampus beeinflussen kann. Weiterhin haben auch andere Forschungsgruppen den Einfluss der Ernährung auf andere Gehirnstrukturen untersucht. Dabei wurde die Qualität der Ernährung anhand eines Bewertungsschemas für die mediterrane Ernährungsform beurteilt, und man stellte fest, dass höhere Werte (=gesündere Ernährung) mit einer größeren Dicke der Gehirnrinde, einer geringeren Belastung und einer besseren erhaltenen Mikrostruktur der weißen Hirnsubstanz verbunden sind. All diese Ergebnisse weisen auf eine verbesserte Aufrechterhaltung der normalen Hirnstruktur und somit deren Schutz bei gesunder Ernährungsweise hin. 

Eine andere frühere Studie, die 2015 in der BMC Medicine veröffentlicht wurde, hat im Umkehrschluss gezeigt, dass eine höhere Zufuhr ungesunder Nahrungsmittel, die normalerweise in der westlichen Ernährung vorkommen, mit einem geringeren Volumen des Hippocampus assoziiert war. Dieser Befund wurde ursprünglich an experimentellen Tiermodellen beobachtet und deutete darauf hin, dass eine energiereiche Ernährung, die reich an gesättigten Fetten und raffiniertem Zucker ist, die neuronale Plastizität und Funktion nachteilig beeinflusst. Tiere, die eine hochenergetische, fett- und zuckerreiche Nahrung erhielten, zeigten geringere Leistungen beim Hippocampus-abhängigen räumlichen Lernen, bei der Objekterkennung, und auch verringerte Konzentrationen einer schützenden körpereigenen Substanz im Hippocampus, dem sog. neurotrophen Faktors (BDNF), und eine Beeinträchtigung der Integrität der Blut-Hirn-Schranke.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch: Dieses Essen schadet Ihrem Gehirn!

Wenn man nun berücksichtigt, dass der Hippocampus mit dem langfristigem, deklarativem, episodischem Gedächtnis sowie dem flexiblen Kognitionsnetzwerk assoziiert ist, unterstreichen alle diese Studien die Notwendigkeit, die Ernährungsqualität und das Ernährungsverhalten als mögliche Einflussgrößen auf kognitive Fähigkeiten, auf die psychische Gesundheit und auf das Sozialverhalten zu erkennen.

Schlussfolgerung:

Eine dauerhafte gesunde Ernährungsweise scheint, im Gegensatz zu einer nur kurzfristig angelegten Ernährungsumstellung, der Schlüssel zur Förderung der Gehirngesundheit und zur Prävention von Demenz zu sein.

Daher ist eine routinemäßige Ernährungsberatung im Rahmen eines Arztbesuchs auf der Ebene des Patienten sehr wichtig und sie sollte auch ein hochrangiges Ziel der öffentlichen Gesundheit sein.

Um mehr zu erfahren:
https://kompetenz-statt-demenz.de/praevention-behandlung/ernaehrung/die-mind-diaet/

Akbaraly, T et al. Association of Long-Term Diet Quality with Hippocampal Volume: Longitudinal Cohort Study. The American Journal of Medicine 2018 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30056104

Gu Y, Brickman AM, Stern Y, et al. Mediterranean diet and brain structure in a multiethnic elderly cohort. Neurology 2015;85 (20):1744–1751. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26491085

Mosconi L, Murray J, Tsui WH, et al. Mediterranean diet and magnetic resonance imaging-assessed brain atrophy in cognitively normal individuals at risk for Alzheimer’s disease. J Prev Alzheimers Dis. 2014;1(1):23–32. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25237654

Staubo SC, Aakre JA, Vemuri P, et al. Mediterranean diet, micronutrients and macronutrients, and MRI measures of cortical thickness. Alzheimers Dement. 2017;13(2):168-177. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27461490

Jacka, F.N, Cherbuin, N, Anstey, KJ et al. Western diet is associated with a smaller hippocampus:a longitudinal investigation. BMJ 2015; 13:215 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26349802

Stranahan AM, Norman ED, Lee K, et al. Diet-induced insulin resistance impairs hippocampal synaptic plasticity and cognition in middleaged rats. Hippocampus. 2008;18(11):1085–1088. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18651634

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Rotweintrinker sind ja im allgemeinen Gemütsmenschen und dafür bekannt das Leben mit Genuss und Entspannung zu meistern. Das alleine sind schon zwei Schutzfaktoren vor dementiellen Erkrankungen, denn Stress ist Gift für’s Gehirn (aber dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt). Ein insbesondere im Rotwein enthaltener sekundärer  Pflanzenstoff rückt darüber hinaus zunehmend in das Interesse der Forschung und Prävention bei der Alzheimererkrankung: das Resveratrol.

Das Resveratrol entfaltet zahlreiche biologische und pharmakologische  Schutzwirkungen und wurde bereits Mitte der Neunziger Jahre im Zusammenhang mit dem ‚French Paradox‘ bekannt. Dieses steht für die Beobachtung, dass Franzosen trotz ihres vermeintlich ungesünderen Lebensstils, insbesondere wegen des höheren Alkoholkonsums, länger leben als Deutsche und US-Amerikaner, und die Herzinfarkthäufigkeit in Frankreich 3-fach geringer ist als in den USA. In den Folgejahren rückte Resveratrol in den Mittelpunkt der Forschung und zeigte in zahlreichen Testmodellen sowohl in vitro als auch in vivo antientzündliche, antioxidative, krebshemmende, herzschützende und lebensverlängernde Eigenschaften und galt als neues Wundermittel.

Resveratrol und Alzheimer

Erste Hinweise, dass Resveratrol auch für den schützenden Effekt von Rotwein in Alzheimer Patienten verantwortlich sein könnte, zeigten epidemiologische Studien einer französischen Forschergruppe im Jahre 1997. Sie zeigten erstmals eine inverse Korrelation zwischen mäßigem Weinkonsum und des Auftretens von Alzheimer Krankheit: so war in der Gruppe der moderaten Weintrinker (250 – 500 ml pro Tag) das Risiko einer Demenz um Faktor 5 reduziert.

Es zeigte sich, dass Resveratrol seine positiven Effekte nicht nur auf einem einzigen Weg entfaltet, sondern multi-mechanistisch wirkt. Es greift in unterschiedlichen Prozessen begünstigend ein, die allesamt in der Entstehung von Alzheimer eine entscheidende Rolle spielen:

  1. Reduktion der Amyloid-Plaques 
  2. Reduktion der neurofibrillären Verflechtungen 
  3. Regulatorische Rolle in Autophagie-Prozessen 
  4. Anti-Entzündliche Wirkung 
  5. Antioxidative Wirkungen 

Ausführliche Erklärungen zu diesen Themen finden Sie auf der Seite: Resveratrol

Klinische Studien

Aufgrund dieser überzeugenden Ergebnislage wird derzeit in klinischen Studien getestet, wie das therapeutische Potential von Resveratrol an Alzheimer-Patienten ist. Zwei aktuelle Pilot-Studien haben gezeigt, dass Resveratrol auch beim Menschen die Blut-Hirn-Schranke problemlos überwindet und ins Hirngewebe eindringen kann, da es in der Zerebrospinalflüssigkeit nachweisbar war. Resveratrol wurde von allen Probanden gut vertragen und blieb bis zu einer Dosis von 5 Gramm pro Tag nebenwirkungsfrei. Beide Doppel-Blind-Studien zeigen Hinweise für positive Wirkungen von Resveratrol am Menschen. 

Zudem ist Resveratrol bereits Bestandteil des multifaktoriellen Ansatzes des amerikanischen Neurologen Dale Bredesen, der es mit seiner als ‚ReCode’ (Reversal of Cognitive Decline) bezeichneten Therapie geschafft hat, Alzheimer-Verläufe im Anfangsstadium klinisch umzukehren (siehe auch das Interview mit Dr. Bredesen in der Mediathek).

Fazit:
Ob mit Hilfe eines Gläschens Rotwein am Abend oder anderweitig gerne auch alkoholfrei zugeführt – Hauptsache es sind natürliche Quellen – der sekundäre Pflanzenstoff Resveratrol scheint durch vielfältige Wirkungsmechanismen für protektiven Effekte in der Entstehung dementieller Erkrankungen verantwortlich sein. Er könnte damit ein vielversprechender Präventions- und ggf. Therapieansatz im Kampf gegen die Alzheimer Krankheit sein. 

In diesem Sinne: gönnen Sie sich ein Glas Rotwein oder roten Traubensaft am Abend und genießen Sie das Leben. Ihre grauen Zellen werde Ihnen dankbar sein!

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Lanabecestat ist ein wirkungsvoller Inhibitor der Bildung von Amyloid-Beta (Aβ) Bildung, der Hauptkomponente der Alzheimer-typischen Amyloid-Plaques. Aβ wird durch die Spaltung des Amyloidvorläuferproteins (APP) durch Proteasen, die als β- und γ-Sekretasen bezeichnet werden, gebildet. Die β-Sekretase (auch Beta-Site-APP-Cleaving-Enzyme 1, BACE1 genannt) spaltet APP an der β-Sekretase-Stelle, danach wird APP von der γ-Sekretase gespalten, was zur Bildung der Aβ-Peptide führt. Lanabecestat hemmt die Aktivität von BACE1 und konnte die Werte von Aβ1-40 und Aβ1-42 im Gehirn, in der Liquorflüssigkeit (Liquor) und im Plasma in mehreren Tiermodellen sowie auch die Liquor- und Plasmabilanz dieser Peptide beim Menschen reduzieren. Außerdem ist Lanabecestat in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, was bedeutet, dass eine ausreichende Menge dieser Substanz nach der oralen Einnahme das Gehirn erreichen kann.

Unter Berücksichtigung dieser Fakten wurden zwei klinische Studien konzipiert, um zu testen, ob die orale Verabreichung von Lanabecestat bei zwei verschiedenen Patientengruppen wirksam ist: Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (die AMARANTH-Studie) und Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz (die DAYBREAK-ALZ-Studie). Die Hauptfrage in beiden Studien war: Kann Lanabecestat das Fortschreiten der kognitiven Verschlechterung verlangsamen?

Leider mussten beide Studien früher abgebrochen werden, da in den Gruppen, die Lanabecestat  einnahmen, keine Vorteile gegenüber der Gruppe, die lediglich Placebo bekam, gefunden wurden. Es zeigten sich nur unerwünschte Nebenwirkungen!


Fazit:

In zwei neuen, randomisierten klinischen Studien verlangsamte Lanabecestat (ein starker Aβ-Hemmer) den kognitiven oder funktionellen Rückgang von AD im Vergleich zu Placebo nicht. Eine weitere Hoffnung auf Behandlung ist gescheitert. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die derzeitigen BACE-Hemmer eine wirksame krankheitsmodifizierende Behandlung der symptomatischen AD sein werden, aber es sind noch weitere Studien erforderlich, um festzustellen, ob eine Verringerung der Produktion von Aβ in früheren Stadien des Krankheitskontinuums oder in anderen Hochrisikopopulationen einen sinnvollen klinischen Nutzen bringen kann. 

VORBEUGUNG ist immer noch die beste Lösung!

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