Mit dem Projekt Kompetenz statt Demenz stellt die Deutsche Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention gemeinsam mit der Akademie für menschliche Medizin ein breites Spektrum von Maßnahmen vor, die verhindern, dass sich Demenz überhaupt entwickelt. Neben zahlreichen Präventionsmaßnahmen bietet die Logopädie  einen wichtigen Therapiebaustein, die es Demenz-Patienten ermöglicht, den Kontakt zu ihrer Umwelt aufrechtzuerhalten. Dabei gilt: Besonders im Frühstadium der Erkrankung sollte man keine Zeit verlieren und die Aufnahme einer logopädischen Behandlung nicht scheuen. 

Ein Gastbeitrag der Logopädin Karen Grosstück aus Hamburg

Im Verlauf einer Demenzerkrankung kommt es bei vielen betroffenen Menschen zu Wortfindungsstörungen, häufig auch zu Problemen des Sprachverständnisses von komplexen Texten. Die Veränderung der kommunikativen Fähigkeiten erschwert den Alltag der Betroffenen und ihrer Angehörigen oft stark. Dies ist eine schwierige Situation für die Betroffenen und stellt auch das soziale Umfeld vor große Herausforderungen. Diese Schwierigkeiten in der Kommunikation können sich auf die Beziehung in der Partnerschaft und in der Familie auswirken und im Verlauf auch die Pflege und Betreuung erschweren. 

Fotograph: Gero von Kitzing

Wenn man immer häufiger nach dem richtigen Wort sucht, fragt man sich vielleicht, bin ich nur tüddelig oder ist das schon der Beginn einer Demenz?

Wortfindungsstörungen bedeuten nicht zwangsläufig den Beginn einer Demenz, jedoch gibt es schon früh auftretende, typische sprachliche Symptome und kommunikative Auffälligkeiten bei Alzheimer Demenz

Dazu gehören:

  • Betroffene schweifen im Gespräch ab, wechseln sprunghaft das Thema oder haften bevorzugt an wiederkehrenden Themen
  • Betroffene zeigen immer weniger Antrieb, Gespräche anzuregen oder sich im Alltag an Gesprächen zu beteiligen
  • Äußerungen werden zunehmend inhaltsarm
  • Wortfindungsstörungen erschweren das Formulieren eigener Gedanken
  • Sprachverständnisprobleme führen zu Missverständnissen im Alltag
  • Gesprächsinhalte werden schnell vergessen

Hier kann die Logopädie helfen. Logopädinnen und Logopäden unterstützen Menschen mit Demenz in ihrer Kommunikationsfähigkeit und beraten die Angehörigen im einfühlsamen Umgang mit verändertem Kommunikationsvermögen. 

Was machen Logopädinnen und Logopäden? 

Die Logopädie beschäftigt sich mit Störungen der Sprache, des Sprechens, der Stimme und des Schluckens bei Kindern und Erwachsenen. Logopädinnen und Logopäden stellen fest, ob eine solche Störung vorliegt und wissen, wie diese zu behandeln ist. Nach einer Diagnostik erfolgt die Behandlung und Beratung mit dem Ziel der Verbesserung der Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckqualität. Eine logopädische Therapie ist ein medizinisches Heilmittel und kann ambulant nach Verordnung durch den behandelnden Arzt oder im Rahmen eines stationären Aufenthaltes durchgeführt werden. 

Was genau kann die Logopädie insbesondere für Menschen mit Demenz tun?

Bei Vorliegen einer Demenz kann die logopädische Therapie sowohl den Bereich der Sprache, als auch den Bereich des Schluckens umfassen. Die logopädischen Angebote sollten demnach die Kommunikations- und Ernährungssituation unter veränderten Bedingungen bestmöglichst aufrechterhalten. Die Behandlung orientiert sich immer am Alltag des Betroffenen und berücksichtigt sein bisheriges Leben sowie seinen aktuellen Lebenskontext. Bereits zu Beginn der Erkrankung können eine logopädische Beratung und Präventionsangebote dazu beitragen, Kommunikationsstörungen vorzubeugen. 

Voraussetzung für den Kontakt mit einem Menschen mit Demenz ist der ausschließlich ressourcenorientierte Blick. Da Lernen im klassischen Sinn nicht mehr stattfinden kann, gilt es, mögliche Ressourcen zu entdecken und dem Betroffenen zu spiegeln, um die Fähigkeiten dann zu stützen und möglichst lange  zu erhalten. Die wichtigste Ressource ist hier oft die nonverbale Kommunikation. Kommunikative Fähigkeiten wie Mimik, Gestik und Sprachmelodie können bei Alzheimer-Demenz lange Zeit stabil bleiben. So gilt im Gespräch der wichtige Grundsatz: Es ist wichtiger, wie etwas gesagt wird und weniger wichtig, was gesagt wird. Grundsätze wie „Der Ton macht die Musik“ und „Beziehung vor Inhalt“ prägen die Kommunikation mit einem Menschen mit fortgeschrittener Demenz.

Was sind die Ziele in der Sprachtherapie bei Demenz?

  1. Der Erhalt einer möglichst hohen kommunikativen Selbstständigkeit der Betroffenen
  2. Die Teilhabe der Patienten am sozialen Leben
  3. Die bestmögliche Lebensqualität des Betroffenen sowie Entlastung, Unterstützung und Beratung der Angehörigen

Je früher ein Mensch mit Demenz und sprachlichen Problemen die Möglichkeit hat, diese in einer logopädischen Therapie zu äußern und daran zu arbeiten, umso mehr kann er für die Zukunft davon profitieren. Gerade zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung versuchen viele Betroffene, die sprachlichen Defizite zu verbergen, Wortfindungsstörungen zu verstecken und geraten so in zusätzliche Stresssituationen. Hier hilft es, die Probleme in einem geschützten Rahmen mit einer Logopädin besprechen zu können. Vielen Betroffenen ist es wichtig, zu diesem frühen Zeitpunkt der Erkrankung ihre Gedanken oder ihre Biographie schriftlich festzuhalten. Mit Hilfe der Logopädie ist dies möglich: sie arbeitet mit den emotionalen Fähigkeiten und den kognitiven Reserven eines Menschen und nutzt die neuronale Plastizität des Gehirns, was auch bei einer Demenz noch möglich ist. 

Wo finden Sie mehr Informationen und Hilfe?

Die Vorteile einer frühen logopädischen Behandlung für Menschen mit Demenz sind bisher leider nur Wenigen bekannt. Oft kommen Patienten erst zu spät in die Logopädie und können nicht mehr von der sprach-aktivierenden Behandlung profitieren. Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, im Zuge des Projektes Kompetenz statt Demenz auf diese weitgehend unbekannte, aber äußerst effektive therapeutische Möglichkeit hinzuweisen. Welche Themen in der Sprachtherapie bearbeitet werden, mit welchen Methoden in der Logopädie gearbeitet wird, wie das Schlucken unterstützt werden kann und vieles mehr erfahren Sie überdies in der Broschüre Logopädie und Demenz vom Arbeitskreis Logopädie Demenz Hamburg in Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft/ Kompetenzzentrum Demenz Schleswig-Holstein. 

Aktuelle Adressen von Logopädischen Praxen in ihrer Nähe mit Schwerpunkt Demenzbehandlung finden Sie unter https://www.dbl-ev.de/service/logopaedensuche/ wie auch auf unserer Webseite unter Kompetenz statt Demenz

Zur Autorin:

Karen Grosstück arbeitet als Logopädin mit dem Schwerpunkt im Bereich der neurologischen Sprach- und Sprechtherapie. Sie betreibt eine Privatpraxis für Logopädie und Ernährung in Hamburg. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Leider erkranken weltweit jährlich immer mehr Menschen an der Alzheimer-Krankheit oder anderen Formen der Demenz. Im Jahr 2016 waren es bereits knapp 2,0 Millionen Betroffene in Deutschland, 10 Millionen in Europa und 35,5 Millionen weltweit. Bedauerlicherweise ist die Tendenz steigend, so lautet die Prognose bis 2050 weltweit 115 Millionen Erkrankungsfälle.

Die Angst vor der Alzheimer-Demenz ist groß, denn bisher galt diese Erkrankung als unheilbar. Es gibt es bis heute kein wirksames Medikament, obwohl die Pharmaindustrie seit langer Zeit mit Hochdruck daran arbeitet. Der Grund hierfür liegt in der Natur der Krankheitsentstehung: man weiß mittlerweile, dass die Demenz eine generalisierte Stoffwechselerkrankung des Körpers ist, die sich im Zentralnervensystem, nämlich in unserem Gehirn, manifestiert. 

Die gute Nachricht aber ist, dass der US-Neurologe Dr. Dale Bredesen  – nach über 30 Jahren intensiver Forschung – gezeigt hat, dass es möglich ist, Alzheimer-Demenz vorzubeugen und zu heilen, zumindest solange keine zu weit fortgeschrittene Schädigung bestimmter Nervenzellen des Gehirns eingetreten ist. Laut seinen Forschungsergebnissen liegen die Ursachen der Krankheit nicht nur in den Genen, sondern auch unser Lebensstil ist maßgeblich: Unerkannte Infektionen und chronische Entzündungen, dauerhafte ungesunde Ernährung bzw. Mangelernährung wie auch die Exposition gegenüber bestimmten Giftstoffen sind wesentliche Faktoren, die die Krankheit auslösen und auch beschleunigen können.

Somit würden demenzielle Erkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit nicht länger ein unlösbares Schicksal bedeuten, da die Krankheit durch Änderungen und Anpassungen des Lebensstils reversibel ist. Daher ist es auch möglich, sich präventiv vor der Demenz zu schützen. Mehr noch:  Es konnte an vielen Demenz-Patienten gezeigt werden, dass die Krankheit aufgehalten werden kann oder der Krankheitsverlauf gar umkehrbar ist, selbst wenn man sich in einem leicht fortgeschrittenen Stadium befindet. 

Da diese große Chance unbedingt genutzt werden muss, möchte das Projekt ‚Kompetenz statt Demenz’ Ihnen deshalb die Möglichkeit geben, geeignete Ansprechpartner im präventiven und therapeutischen Bereich zu finden. Auf den folgenden Seiten haben wir daher begonnen, Ärzte/innen, Therapeuten/innen und Coaches aufzulisten, die im Bereich der Demenzprävention bzw. Demenztherapie praktizieren. Alle genannten Therapeuten arbeiten ganzheitlich und individuell am Patienten mit Grundsäulen in der Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und anderen ganzheitlichen Therapieformen.  Aber auch die Identifizierung und Reduktion von Schadstoffen und mikrobiellen Belastungen ist Teil des präventiven wie auch therapeutischen Ansatzes, worauf beispielsweise auch die biologische Zahnmedizin Wert legt. Bitte beachten Sie aber, dass die therapeutischen Ansätze durchaus unterschiedlich sein können und wir diese an dieser Stelle nicht im Einzelnen bewerten können.

Neben der geeigneten Therapie ist es überaus wichtig, den Demenzpatienten auch im Alltag angemessen zu begegnen, was Angehörige sicher an ihre Grenzen bringen kann. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, an dieser Stelle auch auf Projekte und Initiativen hinzuweisen, die Demenz-Patienten und Angehörigen insbesondere Hilfe und Unterstützung, Erfahrungsaustausch, spezielle Programme, aber auch mögliche Anlauf- und Beratungsstellen vor Ort bieten. Der Anfang ist hier nun mit den ‘Singenden Krankenhäusern’ gemacht, aber wir sind sicher, dass in naher Zukunft weitere Projekte folgen werden!

Schauen Sie einfach bei uns rein unter „Links und Unterstützung“

Wir hoffen, dass wir Ihnen helfen können!

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