Bislang gibt es kein wirksames Medikament zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Die derzeit verfügbaren medikamentösen Behandlungsoptionen sind auf Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantine beschränkt, die jeweils abhängig vom Erkrankungsstadium eingesetzt werden und direkten Einfluss auf die Wirkung der Neurotransmitter im Gehirn nehmen. Es ist kaum zu glauben, aber diese pharmakologischen Ansätze beruhen noch auf den Erkenntnissen der 1970er und 1980er Jahre. 

Schlimmer noch: Der klinische Nutzen dieser vielfach verordneten Antidementiva ist umstritten, da der Körper Anpassungsmechanismen entwickeln kann und die Alzheimer-Symptome beim Absetzen der Medikamente umso schneller voranschreiten. Es wurden in der Zwischenzeit zwar zahlreiche medikamentöse Strategien angestrebt, jedoch wurden die klinischen Studien spätestens nach Phase II abgebrochen, da sie keine ausreichende Wirksamkeit zeigten und somit keine signifikanten Verbesserungen der Symptome der Alzheimer-Krankheit bewirkten. So scheint aktuell auch die Zulassung des von der Fa. Biogen entwickelte bislang aussichtsreichsten Kandidaten ‘Aducanumab’, ein Antikörper gegen das bei Alzheimer gebildete Amyloid-beta-Ablagerung im Gehirn, in Phase III in großer Gefahr: Ein unabhängiges Expertengremium, das die FDA berät, kam zum Ergebnis, dass der dokumentierte Nutzen ist zu gering ist, und lehnte die Zulassung von ‘Aducanumab’ ab. 

Aber warum sind alle pharmakologischen monokausalen Ansätze bislang gescheitert? 

Bereits im Jahr 2014 hat der US-Neurologe Dr. Dale Bredesen richtig erkannt, dass es sich bei der Alzheimer-Krankheit um eine generalisierte Stoffwechselstörung handelt, also um eine Erkrankung mit einer Vielzahl von Ursachen, denen man auch in der Therapie in ihrer Vielzahl begegnen muss. Vor allem aber zeigte Bredesen auf, dass eine derartige Therapie auch wirksam ist und dies somit auch möglich ist! 

Als  Analogie nutzt Bredesen das Bild eines undichten Daches, durch das es regnet, um sich die Alzheimer-Krankheit vorzustellen: es gibt bis zu 36 Löcher im Alzheimer-Dach, die geflickt werden müssen, damit alles wieder dicht ist. Nicht jeder Patient hat die gleichen Löcher, und daher wird das Protokoll auf der Grundlage der Genetik, des aktuellen Gesundheitszustands und des Lebensstils des Patienten individuell angepasst. 

Ebenfalls im Jahr 2014 wurde Bredesens Therapiekonzept, das sogenannte ReCODE-Protokoll (‚Reversal of Cognitive Decline’ = Umkehrung des kognitiven Rückgangs) erstmals in der wissenschaftlichen Fachpresse veröffentlicht. Dieses neuartige Therapie-Konzept ist ein vielversprechender Ansatz in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit, da es eine multifaktorielle Strategie verfolgt. 

Im ReCode-Protokoll werden entsprechend der genetischen Variante des ApoE-Gens des Patienten (mehr dazu unter kompetenz-statt-demenz.de/genetik) und der  vorliegenden Symptomatik und Diagnostik 6 unterschiedliche Typen von Alzheimer definiert: 

  1. die entzündliche („heiße“), 
  2. die atrophische („kalte“), 
  3. die glykotoxische („süße“), 
  4. die toxische („widerwärtige“), 
  5. die vaskuläre („blasse“) und 
  6. die traumatische („benommene“) Alzheimer-Krankheit

Dabei bestimmt der jeweilige Typ letztendlich den therapeutischen Ansatz. Die Wirkung jeder Typ-spezifischen therapeutischen Strategie wird durch eine umfassende kognitive Untersuchung, eine sogenannte Kognoskopie, unter Verwendung von Bluttests, Gentests, Test des Darmmikrobioms, einfachen kognitiven Bewertungen und bildgebenden Verfahren durchgeführt

Die Tatsache, dass die Bredesen-Methode auch tatsächlich wirksam, und kein leeres Versprechen ist, konnte mittlerweile an einer Vielzahl von Studien belegt werden. So berichtet Dr. Bredesen 2018 von 100 erfolgreich behandelten Patienten, bei denen die Symptome der Alzheimer-Krankheit schon unterschiedlich weit fortgeschritten waren, von leichter bis mittelschwerer kognitiver Beeinträchtigung. 

Durch Maßnahmen wie beispielsweise

  • Identifizierung und Behandlung von Krankheitserregern 
  • Reparatur einer durchlässigen Darmschleimhaut (“leaky gut”) und Verbesserung des Mikrobioms 
  • Identifizierung von Insulinresistenz und Wiederherstellung der Insulinempfindlichkeit 
  • Identifizierung und Korrektur suboptimaler Nährstoff-, Hormon- oder Neurotrophin-Unterstützung (Neurotrophine sind körpereigene Signalstoffe, die zielgerichtete Vernetzung von Nervenzellen bewirken; z.B.: BDNF)
  • Identifizierung von Toxinen und deren Ausleitung durch Entgiftung

gelang es ihm, den Krankheitsverlauf nicht nur zu verlangsamen oder aufzuhalten, sondern auch die Symptomatik zu verbessern! 

Allerdings war in dieser Studie auch erkennbar, dass der Therapieerfolg umso besser ausfiel,  je früher das Krankheitsstadium der Patienten war, also je früher die Behandlung begonnen hat. Das ist auch die Herausforderung, da die Alzheimer-Krankheit, deren Entstehung Jahrzehnte dauern kann, oft viel zu spät als solche erkannt wird, und die Patienten dann nicht mehr in der Lage sind, zu handeln. 

Fall Sie noch mehr Hintergrundinformationen zu diesem spannenden Thema erfahren möchten, schauen Sie bei ‘Kompetenz statt Demenz’ vorbei unter ReCode-Protokoll von Dr. Bredesen.

Fazit:

Es gibt  zwar immer noch kein wirksames Medikament gegen die Alzheimer-Krankheit, aber mit dem multifaktoriellen therapeutischen Ansatz des US-Neurologen Dr. Dale Bredesen ist endlich ein Behandlungskonzept verfügbar, das eine individualisierte Therapie für Alzheimer-Patienten ermöglicht. Mit diesem sogenannten ReCode-Protokoll ist es bei Alzheimer-Patienten im Anfangsstadium erfolgreich gelungen, den Krankheitsverlauf aufzuhalten und sogar umzukehren. Dies macht sehr viel Mut und Hoffnung und beweist, dass die Alzheimer-Krankheit kein unvermeidbares Schicksal ist! Aber dabei nicht vergessen: je früher die Behandlung begonnen wird, umso besser das Resultat. Also gilt auch bei Alzheimer der Grundsatz: Lieber rechtzeitig handeln bevor es zu spät ist!

Die Bredesenliteratur finden Sie auf unter unseren Buchempfehlungen.

Referenzen:

  • DE Bredesen (2014) Reversal of cognitive decline: A novel therapeutic program. Aging, Vol 6, 9
  • DE Bredesen et al (2018) Reversal of cognitive decline: 100 patients. J Alzheimers Dis Parkinsonism 8, 5
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Neben weiteren Publikationen, die bereits in Arbeit sind, steht der Ausbau unseres Netzwerks im kommenden Jahr ganz oben auf unserem Projektplan. Dank Ihrer Hilfe und mit Ihrer Unterstützung wollen wir es schaffen, eine unüberhörbare Stimme zu werden, die mit evidenzbasierten Belegen auf die Relevanz von Lebensstilfaktoren bei der Behandlung und Prävention von Demenz aufmerksam macht.

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  • Natürlich werden wir auch im kommenden Jahr die zahlreichen Fragen, die uns persönlich erreichen, beantworten und helfen, wo es in unserer Macht steht.

Hinzu kommen unzählige Stunden all jener Arbeit, die für gewöhnlich unsichtbar bleibt. Bis Informationen es in unsere Publikationen schaffen, sind umfangreiche Recherchen, Diskussionen, Debatten und Abstimmungen im Team nötig. Selbstverständlich sichten wir dabei ebenfalls stets die neuesten Studien und Forschungsergebnisse zum Thema Demenz und sehen uns einem äußerst anspruchsvollen Qualitätsstandard verpflichtet.
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