Dass unsere Gesundheit bereits im Darm beginnt, ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Heute wissen wir, dass unser Darm mehr als nur ein „Verdauungsrohr“ ist, da dieses wichtige Organ eine Vielzahl weiterer Funktionen erfüllt. So steht eine Störung der Darmgesundheit auch in direktem Zusammenhang mit der Entstehung chronischer Erkrankungen. 

Dabei spielt vor allem die Darmflora, also die mikrobielle Besiedelung der Darmschleimhaut, eine wesentliche Rolle. Die Darmflora wird in der Fachsprache auch als “Darmmikrobiota” bezeichnet. Sie bildet den wichtigsten Teil unseres Immunsystems und bietet uns somit einen effektiven Infektionsschutz. 

Aber was die Wenigsten wissen: eine richtig zusammengesetzte Darmflora ist auch essentiell für unsere Hirn-Gesundheit, da sie über die Darm-Hirn-Achse in direkter Verbindung zu unserem Nervensystem steht. Befindet sich die Darmflora im Ungleichgewicht, kann dies verheerende Folgen für das Nervengewebe haben und im schlimmsten Fall bis hin zur Neurodegeneration und Demenz führen. 

So deuten immer mehr Studien darauf hin, dass die Darmmikrobiota das Gehirn und das Verhalten von Patienten beeinflussen kann. Veränderungen in ihrer Zusammensetzung, die beispielsweise durch Ernährungsumstellungen, Antibiotika-Exposition oder Infektionen verursacht werden, können zum Verlust des physiologischen Gleichgewichts führen, was mit der Entwicklung verschiedener Krankheiten beim Menschen, darunter auch die Alzheimer-Krankheit, in Verbindung gebracht wird. Jüngste Erkenntnisse deuten auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmmikrobiota und entzündlichen Veränderungen im Hirngewebe hin. Demnach können die Mikroorganismen im Darm die Botenstoffe des Nervensystems beeinflussen, was die Kommunikation von Darm zu Gehirn beeinträchtigen und/oder die Gehirnfunktion verändern kann.

Viele Studien an Tiermodellen haben stichhaltige Beweise für die Bedeutung der Mikrobiota in der Pathologie der Alzheimer-Krankheit erbracht. Interessante Ergebnisse wurden beispielsweise mit Mäusen erzielt, die ohne mikrobielle Besiedelung des Darmes aufgezogen wurden und somit keine Darmmikrobiota aufweisen. Diese “keimfreien” Mäuse wiesen im Vergleich zu Mäusen mit normaler Darmflora eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke (BHS) auf. Dies bedeutet wiederum, dass Krankheitserregern und anderen schädlichen Substanzen, vor denen das Gehirn mit intakter BHS normalerweise geschützt ist, nun der Weg ins Gehirngewebe geöffnet ist. Dies kann zu einer entzündlichen Reaktion im Zentralnervensystem, einer sogenannten Neuroinflammation, führen, was direkt mit der Entstehung der Alzheimer-Krankheit in Zusammenhang gebracht wird (siehe Kapitel Ursachen für weitere Informationen).

Solche im Tiermodell erhaltenen Ergebnisse konnten mittlerweile auch in klinischen Studien bestätigt werden:  So wurde die Darmmikrobiota älterer Menschen, die an kognitiven Störungen leiden, untersucht, und es konnte ein Zusammenhang zwischen Plaques-Ablagerungen im Gehirn, dem Auftreten von pro-entzündlichen Darmbakterien und anderen Entzündungsmarkern, gezeigt werden.

Zusammengefasst liefern alle diese Ergebnisse klare Hinweise darauf, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobiota bei der Entwicklung der Alzheimer-Krankheit und anderer demenzieller Erkrankungen ein entscheidender Faktor ist. 

Aber die gute Nachricht ist, dass unsere Darmflora ein dynamisch modifizierbares System darstellt, das sehr empfindlich auf Lebensstil und Alterung reagiert. Mit diesem Wissen können wir mit einem gesunden Lebensstil unsere Darmmikrobiota positiv beeinflussen und praktische Empfehlungen vor allem für die Prävention aber auch die Behandlung der Demenz entwickeln.


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Also nicht vergessen: gesunder Darm, gesundes Gehirn!

Wir danken Ihnen vorab für Ihre Unterstützung!

Ihr

KsD-Team

Quellen:

  1. Vogt NM, Kerby RL, Dill-McFarland KA, et al. Gut microbiome alterations in Alzheimer’s disease. Sci Rep. 2017;7(1):13537.
  2. Harach T, Marungruang N, et al.  Reduction of Abeta amyloid pathology in APPPS1 transgenic mice in the absence of gut microbiota. Sci Rep. 2017 Feb 8;7:41802. 
  3. Kowalski K, Mulak A. Brain-Gut-Microbiota Axis in Alzheimer’s Disease. J Neurogastroenterol Motil. 2019;25(1):48‐60. 
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