Nicht jeder altert auf die gleiche Weise. Auch das Auftreten von Demenz ist nicht bei jedem Menschen gleich. Während einige Menschen bei guter kognitiver Funktion und ohne Anzeichen von Gedächtnisverlust selbst bei schweren neurologischen Erkrankungen länger leben können, leiden andere Menschen an geistigen Defiziten und Gedächtnisstörungen, ohne dass bei neurologischen Tests übermäßig viele organische Hirnschäden diagnostiziert werden.

Aus diesem Grund wurde die Hypothese der kognitiven Reserve (KR) als Kompensationsmechanismus aufgestellt, welche zur Bewältigung altersbedingter Hirnschäden fähig ist. Weiterhin würde die KR die interindividuelle Variabilität in der Fähigkeit erklären, geistige Funktionen bei Vorliegen einer Hirnerkrankung aufrechtzuerhalten.

Vereinfacht ausgedrückt haben einige Menschen eine bessere kognitive Reserve als andere und sind in der Lage, ihr Gehirn vor Krankheiten, einschließlich Demenz, zu schützen. Die KR lässt sich durch Neuroplastizität erklären, d. h. verschiedene Teile des Gehirns sind in der Lage, dieselbe Funktion zu erfüllen, so dass im Falle einer Schädigung der einen Region die Funktion in eine andere gesunde Region umgeleitet werden kann. Menschen mit größeren kognitiven Reserven fällt diese Art von „Funktionswechsel“ leichter, und sie bleiben auf diese Weise geistig fit. 

Als Bewertungsmaßstäbe der KR gelten beispielsweise ein höherer Bildungsgrad, ein höheres Maß an sozialer Interaktion und die Arbeit in geistig anspruchsvollen Berufen. Es gibt jedoch neue Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass die KR ein aktives Konstrukt ist, das sich aus fortgesetzten Lebenserfahrungen während der gesamten Lebenszeit entwickelt. Demzufolge würde ein einziger KR-verstärkender Faktor während eines bestimmten Lebensabschnittes allein nicht ausreichen.

Eine im Juni 2019 im JAMA-Journal für Neurologie veröffentlichte Studie hat sich mit der Frage befasst, ob die kognitive Reserve, die während der Lebensspanne angesammelt wurde, mit einer Verringerung des klinischen Demenzrisikos verbunden ist. Auch wurde in dieser Arbeit das Ausmaß dieses Zusammenhangs abgeschätzt, wenn bereits pathologische Veränderungen im Gehirn nachgewiesen sind.

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass ein hoher KR-Indikator während des gesamten Lebenszeit, der die Bildung, die kognitiven Aktivitäten im frühen, mittleren und späten Leben sowie die sozialen Aktivitäten im späten Leben umfasst, mit einer Verringerung des Demenzrisikos verbunden ist. Dies war selbst bei Menschen der Fall, die hirn-diagnostisch viele Anzeichen der Alzheimer-Krankheit und vaskuläre Schädigungen aufweisen.

Diese Ergebnisse liefern also  weitere Belege dafür, dass eine hohe KR ein Schutzfaktor gegen Demenz darstellt. Sie zeigen auch, dass kumulative geistig stimulierende Aktivitäten zur Verbesserung der KR während des gesamten Lebens kontinuierlich gefördert werden sollten und eine praktikable Strategie zur Prävention von Demenz sein könnten.

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Fazit: 

Die kognitive Reserve ist die Fähigkeit des Gehirns, Schäden zu tolerieren, die durch Alterung, Alzheimer-Erkrankung oder andere Ursachen von Demenz entstehen. Je höher die kognitive Reserve  ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person selbst bei Vorliegen einer neurologischen Schädigung Symptome einer Demenz entwickelt. Die kognitive Reserve kann durch geistig stimulierende und soziale Aktivitäten verbessert werden, die die Neuroplastizität fördern und die kognitive Funktion verbessern. Neue Erkenntnisse zeigen, dass diese kognitiv stimulierenden Maßnahmen lebenslang und nicht nur für einen bestimmten Zeitraum durchgeführt werden sollten, um eine starke kognitive Reserve für die gesamte Lebensspanne aufzubauen. Eine hohe kognitive Reserve kann Ihr Gehirn schützen und die Symptome der Alzheimer-Erkrankung vermeiden!

Referenz:

Xu H, Yang R, Qi X, et al. Association of Lifespan Cognitive Reserve Indicator With Dementia Risk in the Presence of Brain Pathologies. JAMA Neurol. 2019;76(10):1184–1191

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