Use it or lose it!

Zwar ist das Gehirn kein Muskel, aber es kann dennoch trainiert werden. Das erfahren beispielsweise Menschen, die nach Gehirnschlägen oder Unfällen manches neu erlernen müssen, was sie zuvor wie selbstverständlich ausgeführt haben. Unser Denkorgan hat ungeahnte Kapazitäten und ungenutzte Areale. Es braucht aber Futter. Zum einen sind damit ausreichend Flüssigkeit und viele Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme gemeint – kurzum: eine gesunde Ernährung und kluges Trinkverhalten. Zum Zweiten hilft es, wenn auch im Alter die Durchblutung angeregt und altersgerechter Sport ausgeübt wird. Drittens sorgt regelmäßiges Training der grauen Zellen dafür, dass diese nicht einrosten. Mit kleinem Aufwand und täglichen Gehirnjogging-Übungen können Sie einen beträchtlichen Zuwachs an geistiger Merkfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit erarbeiten. Nutzen Sie dabei eine Tageszeit, in der Sie sich ausgeruht und bereit für neue Herausforderungen fühlen.

Ganz konkret: Welche Übungen sind sinnvoll:

Viele Übungen können aus dem Stegreif erdacht werden, um das Gehirn auf Trab zu halten. Dabei sollen vor allem das Kurzzeitgedächtnis und die Merkfähigkeit trainiert werden. Das Langzeitgedächtnis funktioniert im Alter meist besser.

  • Putzen Sie mit der ungewohnten Hand die Zähne. Das trainiert ihre motorischen Fähigkeiten und aktiviert die weniger benutzte Hirnhälfte.
  • Lösen Sie ein Kreuzworträtsel, indem Sie die Kästchen mit der anderen als der gewohnten Schreibhand  ausfüllen.
  • Auch der Einkaufszettel kann als Übung in dieser Richtung dienen.
  • Es dient der Konzentration, wenn Sie beim Lesen eines Buches in Großdruck eine Seite über Kopf lesen. Wenn Sie das zehn Minuten lang tun, wird die Konzentrationsfähigkeit aktiviert.

10-30 Minuten

Wie Sie sehen, ist Gehirnjogging gar nicht schwer. Mit der Zeit merken Sie, dass das geistige Training anschlägt. Wichtig ist, nur zehn bis dreißig Minuten Gehirnjogging einzuschieben. Unser Gehirn ist so strukturiert, dass es maximal neunzig Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit leisten kann. Dann benötigt es Entspannung. Nur Menschen, die jahrelang meditiert haben und verschiedene Stufen der Versenkung erreichen, sind zu länger anhaltender Konzentration fähig. Unsereinem ist bei fortschreitender Vergesslichkeit mit kleinen Dosen geistigem Training besser bedient.

Die Mischung macht´s

Das bedeutet keineswegs, dass Sie sich am restlichen Tag keinen geistigen Herausforderungen mehr stellen. Der richtige Mix zwischen geistiger Spannung und Entspannung ist wichtig. Außerdem sollten Sie verinnerlichen, dass das menschliche Gehirn immer neue Herausforderungen benötigt, um leistungsfähig zu bleiben. Alles, was Gewohnheit geworden ist, ist kein hilfreiches Geistestraining.

Durchbrechen Sie die Routine

Mit Gedächtnisspielen ist es wie mit dem Rätseln: wenn Sie zu oft dieselbe Rätselfrage beantworten, wird das Kreuzworträtseln zur Routine. Sie erraten beim Sudoku die meisten Zahlen im Schlaf. Gefühlt mag das eine Herausforderung sein. Tatsächlich aber schläfert es die nicht beschäftigten grauen Zellen ein. Das Gehirn muss aus dem Dämmerschlaf von Gewohnheit und Routine gerissen werden, damit es aktiv bleibt und sich herausgefordert fühlt. Strapazieren Sie Ihre Synapsen, damit es ständig neue Verbindungen gibt.

Täglich neue Erfahrungen

Wenn Sie es satt haben, Rätsel zu lösen und Zeitungsseiten über Kopf zu lesen, ist es Zeit für etwas Neues. Besser noch: Stellen Sie sich täglich neuen Erfahrungen. Wiederholen Sie eine Gehirnjogging-Übung erst, wenn Sie diese vergessen haben. Menschen wie Ex-Kanzler Helmut Schmidt, die sich bis ins hohe Alter mit Politik und Zeitgeschichte auseinandersetzen, bleiben scharfe Denker. Alte Menschen, die ihren verpassten Doktortitel nachholen, schaffen diesen geistigen Kraftakt auch. Gewohnte Denkbahnen zu verlassen und Dinge anders auszuführen, stärkt die geistigen Fähigkeiten. Jede Routine und Gewohnheit ist schädlich und endet in Langeweile.

Trainieren Sie Ihre bildliche Vorstellungskraft

Verlassen Sie gewohnte Bahnen, um neuen Erfahrungen Raum zu geben. Trainieren Sie Ihre bildliche Vorstellungskraft, denn sie bedeutet Kreativität.

  • Beim Abwasch können Sie sich kurze Szenen Ihrer Reisen vergegenwärtigen.
  • Visualisieren Sie eine Bildsequenz aus einem Film, den Sie gerne selbst gedreht hätten.
  • Spielen Sie mit Ihren Enkeln „Ich packe meinen Koffer“ und merken Sie sich die hineingepackten Dinge versuchsweise über geistige Bilder und Eselsbrücken.
  • Manche Menschen erinnern sich an die Dinge, indem sie eine Art geistigen Ordner dafür anlegen.
  • Lernen Sie eine neue Sprache

Es muss Spaß machen!

Vergessen Sie dabei nicht: was auch immer Sie als Herausforderung auswählen, soll Ihnen Spaß machen. Die Übung sollte nicht zu lange täglich trainiert werden. Es ist vorteilhaft, Hirnjogging-Übungen an einem oder mehreren Tagen zu üben und sie dann mehrere Monate zugunsten anderer Herausforderungen wegzulassen. Wenn Sie eine Übung vergessen haben bzw. aus dem Training sind, gehört sie wieder auf den Plan:

 

Fazit: Lassen Sie nichts zur lieben Gewohnheit werden, sondern bilden Sie durch neue Erlebnisse, Querdenkerei und geistige Herausforderungen neue Synapsen im Hirn.

 


Quelle: Dr. Klaus Mühlhausen: “Mit 3 Einfachen Tipps bis ins hohe Alter”( ebook)
Photo: Alvaro Reyes

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