Die negative Auswirkungen von Transfetten (auch trans-Fettsäuren, TFS) auf unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit sind schon seit langer Zeit bekannt, sie zählen zu den ungesundesten Nahrungsbestandteilen überhaupt.

In den letzten Jahren mehren sich die Studien, die einen Zusammenhang mit AD belegen, die Akademie für menschliche Medizin berichtete darüber bereits im Jahre 2015 (https://spitzen-praevention.com/2015/08/14/transfettsaeuren-und-kognitive-schwaechen-da-fehlen-einem-die-worte/). Eine aktuelle Studie aus Japan verfolgte 1.628 gesunde japanische Senioren einen Zeitraum von 10 Jahren. Die Forscher untersuchten in diesem Zusammenhang die TFS Elaidinsäure im Blut als Markersubstanz , was direkte Rückschlüsse über die gesamte TFS-Aufnahme der Studienteilnehmer erlaubt. 377 Teilnehmer entwickelten eine Demenz, davon 247 Alzheimer und 102 eine vaskuläre Demenz. Höhere Serum-Elaidinsäurespiegel waren signifikant mit einem größeren Risiko für die Entwicklung von Alzheimer Demenz, vaskulärer Demenz und einer Gesamtdemenz verbunden. Patienten, deren TFS-Spiegel im Blut im höheren Bereich lagen, entwickelten die Alzheimer-Krankheit mit einer 90% höherer Wahrscheinlichkeit. Diese Zusammenhänge blieben auch nach Bereinigung um ernährungsbedingte Faktoren, einschließlich der Gesamtenergieaufnahme und der Aufnahme gesättigter und mehrfach ungesättigter Fettsäuren, signifikant.

Derzeitige Situation in Deutschland

In der Japan-Studie war die Ursache für die TFS-Belastung der Konsum von süßen Backwaren, Cracker, Eiscreme und Co., aber wie ist die Lage mittlerweile in Deutschland?

TFS können auf verschiedenen Wegen in die Nahrungsmittel gelangen:

  • Bakteriell erzeugt im Pansen von Wiederkäuern (wie z. B. Kühen, Schafen und Ziegen) und gelangen so ins Muskelfleisch und in die Milch. Bei diesen sog. ruminanten TFS wird sogar eine gesundheitsförderliche Wirkung diskutiert.
  • Industriell erzeugt bei Verarbeitung pflanzlicher Öle, der sogenannten Teilhärtung. Diese TSF wurden massenhaft in der industriellen Lebensmittelproduktion eingesetzt.
  • Bei der Hocherhitzung von Brat- und Frittierfetten, wobei die TSF aus dem Frittierfett nahezu vollständig ins Frittiergut übergehen.

Die EU-Kommission hat 2016 einen Gesetzentwurf zur Begrenzung von Transfetten in Lebensmitteln veröffentlicht, wonach ab 2021 die Gehalte von industriellen TSF auf 2% im Gesamtfett begrenzt werden sollen. Nationale Regelungen existieren nur in einzelnen Mitgliedsstaaten (z.B. Dänemark, Finnland) sowie in der Schweiz. Auch die WHO hat mit dem ‚REPLACE‘-Programm, das eine weltweite Eliminierung der TFS auf 1% der Gesamtkalorien bis 2023 vorsieht, eine globale Initiative gestartet.

Die gute Nachricht ist: obwohl es in Deutschland immer noch keine verpflichtende nationale Regelung gibt, werden erfreulicherweise in abgepackten Lebensmitteln so gut wie keine industriellen TFS mehr eingesetzt. Sie sind nahezu vollständig durch Palmöl oder Palmkernöl ersetzt, was zwar zumindest gesundheitlich günstiger ist, doch leider sehr viele Probleme anderer Art mit sich bringt. Problematisch hinsichtlich TFS-Gehalte über 2% im Gesamtfett sind unverpackte, lose verkaufte, aber trotzdem industriell gefertigte Lebensmittel (z.B. Backprodukte und frittierte Lebensmittel), da hier gesetzmäßig kein Zutatenverzeichnis gefordert ist, und vereinzelt immer noch ‚schwarze Schafe’ mit extrem hohen Gehalten an TFS identifiziert werden.

Gefahr der TFS-Bildung durch Radikale im Körper

Biologische Membranen, die in jeder Körperzelle vorkommen, bestehen aus einer Doppelschicht von Phospholipiden. Sie enthalten einen hohen Anteil an Fettsäuren, wobei ihr Gehalt an ungesättigten (nicht-trans) Fettsäuren die Eigenschaften dieser Zellmembranen positiv beeinflusst. Daher geht von der TFS-Entstehung in den Membranen eine bislang unerkannte, aber scheinbar große Gefahr aus: Sobald die Fettsäuren innerhalb der Membranen in die trans-Konfiguration überführt und damit zu TFS umgewandelt werden, kann dies die z.B. die Fluidität der Membran negativ beeinflussen und die Entstehung von chronischen Krankheiten fördern.

Vor einigen Jahren konnte in einer Studie gezeigt werden, dass Ratten, die lebenslang TFS-freie Nahrung bekamen, trans-Isomere von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Öl-, Linol-, Linolen- und Arachidonsäure) in Leber, Nieren, Herz, Fettgewebe und Erythrozyten implementiert hatten. Somit war der Nachweis erbracht, dass TFSs im Organismus gebildet werden können, selbst wenn die Nahrung keinerlei TFS enthält. Folgestudien haben weiterhin gezeigt, dass freie Radikale für die Bildung der TFS im Körper verantwortlich sind. Freie Radikale können im Organismus während essentiellen Stoffwechselprozessen unter physiologischen Bedingungen erzeugt werden, aber auch durch äußere Einflüsse wie Zigarettenrauch, Luftverschmutzung, organische Lösungsmittel oder Bestrahlung entstehen. Aufgrund der hohen chemischen Reaktivität können diese freien Radikale oxidative Schäden an zellulären Makromolekülen verursachen. Darüber Hinaus wurde das vermehrte Auftreten im Körper gebildeter TFSs, insbesondere von trans-Arachidonsäure, aufgrund von akkumulierten Radikal-Stress bei verschiedenen pathologischen Zuständen, wie Entzündungen, Diabetes und Alzheimer, festgestellt.

So wurden in einer Studie mit einem Alzheimer-Tiermodell TFS nur im Gehirn und im Hippocampus von Mäusen, die ein für die Alzheimer-Krankheit-spezifisches Gen trugen, nicht aber in gesunden Tieren gefunden. Diese Tatsache lässt vermuten, dass Stress aufgrund von Amyloid β-vermittelten Radikalen, die sich während der Entstehung der Alzheimer-Erkrankung akkumulierten, eine cis-trans-Isomerisierung von Fettsäuren in Neuronen von Alzheimer-Mäusen verursacht. In einer darauffolgenden Studie konnte weiterhin gezeigt werden, dass die Tiere nach Verabreichung zweier antioxidativer Substanzen über 3 Monate signifikant verringerte Werte von TFS im Gehirn und im Hippocampus hatten. Diese Studien implizieren also, dass die Gabe von antioxidativ-wirksamen Substanzen eine mögliche Strategie zur Verhinderung der körpereigenen Bildung von trans-Fettsäuren während der Entstehung chronischer Krankheiten wie der Alzheimer-Krankheit sein kann. Basierend auf den Ergebnissen aller Interventionsstudien scheint eine Vielzahl von antioxidativen Vitaminen und polyphenolische Pflanzenstoffe, darunter auch Curcumin und Resveratrol, die TFS-Bildung im Körper zu hemmen (Abbildung 1, modifiziert nach Hung et al. 2016).

Hemmung Transfettsäuren
Abbildung 1: Mögliche Hemmung der Bildung von Transfettsäuren in körpereigenen Membranen durch antioxidantienreiche Ernährung

Fazit:
Der Zusammenhang zwischen Alzheimer und Konsum von Transfettsäuren (TFS) wird immer deutlicher, allerdings ist die Belastung der verpackten Lebensmittel mit TFS in Deutschland in den letzten Jahren zurückgegangen. Die Industrie hat somit auf die 2021 in Kraft tretende gesetzliche Regulierung der EU auf maximal 2% des Gesamtfettes reagiert. Denken Sie aber beim Besuch der Imbissbude und der Bäckereikette, dass hier durchaus noch Transfette eine nicht unerhebliche Rolle spielen können.
Allerdings scheint die eigentliche Gefahr der TFS im Körper zu stecken, da sie dort durch freie Radikale entstehen können. Aber auch dagegen können Sie etwas mit gesunder Ernährung tun: Stellen Sie Ihre Versorgung mit antioxidativ wirkenden Mikronährstoffen aus der Nahrung und ggf. über Supplemente sicher, bevor die anderenfalls in Ihrem Körper gebildeten Transfettsäuren Ihre Zellmembranen schädigen und Sie um den Verstand bringen!

Referenzen:

  1. Honda,T et al (2019) Serum elaidic acid concentration and risk of dementia: The Hisayama Study. Neurology, 2019
  2. Informationsblatt der Europäischen Union 2019
  3. Bähr M, Jahreis G, Kuhnt K (2011) Trans fatty acids in foods on the German market and in human tissue. Ernährungsumschau 9
  4. Ghebreyesus T, Frieden TR (2018) REPLACE: a roadmap to make the world trans fat free by 2023. The Lancet 391
  5. Messdaten zu Trans-Fettsäuren aus der amtlichen Überwachung zu insgesamt 2.633 Proben aus den Jahren 2014-2017, Auskunft des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vom 31. März 2017
  6. Kuhnt K, Degen C, Jahreis G (2015) Evaluation of the Impact of Ruminant trans Fatty Acids on Human Health: Important Aspects to Consider. Crit Rev Food Sci Nutr. 56
  7. Hung, WL et al (2016) Endogenous formation of trans fatty acids: Health implications and potential dietary intervention, Journal of Functional Foods 25

Foto von Khairul Onggon von Pexels

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